Höllischer Lärm reißt einen um sieben Uhr morgens aus dem Bett. Berlin ist erwacht. Eine Kehrmaschine säubert die Straße, während ein Typ mit Presslufthammer direkt vor der Haustür den Gehsteig malträtiert. Hupende Autos, lärmende Kinder, die zur Schule gehen. Polizeisirenen in der Ferne. Die Stadt hat nur ein paar Stunden geschlafen – genau wie vielleicht du.

Auf dem Weg zur Arbeit ist man permanent dem Bombardement der Werbeindustrie ausgesetzt. Jeder will etwas von einem, aber man selbst will nichts von ihnen. Gibt es denn keinen Ort, an dem man endlich Ruhe finden kann?

Gefängnis der Glückseligkeit

Auf der Flucht vor Hektik und Lärm kommt es vor, dass man mit nur einem kleinen Schritt durch ein unscheinbares Tor, in einer völlig anderen Welt landet. Die Sonne steht schon tief, die Szenerie wirkt ein wenig unheimlich. Skurrile Monumente aus Beton ragen in die Höhe und unterbrechen an vielen Stellen den sauber gemähten Rasen.

Wirft man einen Blick auf die umliegenden Schilder, lässt es sich bereits erahnen. Diese erklären, dass man im Geschichtspark gelandet ist und mitten in einer abstrakten Nachbildung des alten Moabiter Zellgefängnisses steht. Die Betongebilde versetzen einen schon fast in eine andere Zeit und gleichzeitig ist man durch hohe Mauern, die Stress und Hektik fernhalten, geschützt. Ein seltsam abstraktes Glücksgefühl durchströmt einen. Gleichzeitig fühlt es sich für dich ungewohnt, aufregend und doch ein wenig gruselig an.

Der Reiz des Vergänglichen

Wer einen Spaziergang durch Berlin wagt, kann an vielen unentdeckten Orten vorbeikommen, wie z.B. der Nordhafen, einer verlassenen Gegend an der Grenze zwischen Moabit, Stadtmitte und Wedding. Eine Rasenfläche mit Bänken, die zum Verweilen einladen. Dahinter die in der Abendsonne glitzernde Oberfläche des Hafenbeckens.

Hier und da entdeckt man rostige Elemente im satten Grün. Überreste von Hafenkränen, die dem unerbittlichen Zahn der Zeit ausgesetzt sind und vielleicht bald im Nichts verschwinden werden. Auf der gegenüberliegenden Uferseite steht ein verfallenes Fabrikgebäude. Wie mag es hier ausgesehen haben, als der Nordhafen noch in Betrieb war? Als hunderte Arbeiter hier große Kisten und Container mit den Kränen auf Schiffe beförderten?

Im Friedhofscafé

Ausgerechnet in der hektischen, mit Touristen überfluteten Bergmannstraße stößt man nach einigen Metern zufällig auf das Café Strauss. Das kleine Lokal befindet sich in der ehemaligen Leichenhalle des Friedrichwerderschen Friedhofs. Wo könnte es ruhiger und besinnlicher sein als an dem Ort wo die Toten begraben werden?

Ein guter Cappuccino und ein leckeres Stück Kuchen können hier wahre Wunder bewirken und ein wenig Ruhe versprechen. Suchst du einen Platz zum Nachdenken, zum Verweilen oder zum fliehen aus dem Großstadtdschungel, dann ist dieses Cafe der ideale Platz. Obwohl es etwas bizarr wirkt, den Kaffee in einer Leichenhalle zu trinken, ist die Stimmung im Café keinesfalls bedrückend. Eher bedächtig wirkt sie, fast schon erhaben, diese ungewöhnliche Atmosphäre. Ein Ort zum Nachdenken – über Berlin und natürlich auch über dich selbst. Ruhe finden in Berlin geht also DOCH.