Von Paul Müller

Rußlands will den Westen offenbar an seine Rolle im Nahen Osten erinnern. Nach Angaben des Moskauer Rundfunks haben mehrere Schiffe der Marine Kurs auf die syrische Hafenstadt Tartous genommen. Demnach halten sich die Schiffe derzeit im östlichen Mittelmeer auf und werden am Sonnabend in der rund 100.000 Einwohner großen Stadt erwartet. Das Anti-U-Boot-Schiff “Admiral Tschabanenko” und die Patrouillenfregatte “Jaroslaw Mudryj” sollen der Stadt einen mehrtägigen Besuch abstatten.

Tartous ist die zweitgrößte Hafenstadt Syriens. Rußland unterhält dort seinen einzigen Marinestützpunkt im Mittelmeer. Der Ausbau der bereits in der Sowjetzeit existierenden Basis war erst 2006 zwischen Damaskus und Moskau vereinbart worden. Im Gegenzug erließ Rußland Syrien drei Viertel seiner Altschulden im Umfang von 13,4 Milliarden Dollar. Offiziell dient der 2008 in der heutigen Form in Betrieb genommene Stützpunkt zur Versorgung von Schiffen, die sich nach Fahrten im Mittelmeer auf dem Weg ins Schwarze Meer befinden. Darüber hinaus gilt die Basis jedoch vor allem als Ausdruck des russischen Anspruchs, eine geopolitische Rolle in der Region zu spielen. Die Vergrößerung wurde als Antwort auf US-Pläne für ein Raketenabwehrprogramm, sowie den Ossetienkrieg gewertet.

Der Marine-Besuch fällt mitten in die anhaltenen Kämpfe zwischen Regierungstruppen und der sog “Freien Armee” in Syrien. Bei den Unruhen kamen in den vergangenen Monaten vermutlich Tausende Menschen ums Leben. Der Westen hat dabei Partei für die Opposition ergriffen.