Natürlich müssen sie da sein und selbstverständlich ist es ein cooles Gefühl von ihnen bevorzugt zu werden, doch in Berlin können einem die Türsteher manchmal ziemlich auf die Nerven gehen. Da steht irgendein Klüngel vor dem Club und meint, nur weil man Fleisch auf den Rippen und Tattoos und einen bedrohlichen Blick aufweisen kann, reiche das für die Befugnis zur Ordnung! Wer einen Blick auf die Türsteher und Türsteherinnen wirft, merkt, dass diesem Klientel in der Kulturszene bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Und das bei den Muskeln!

Testosteron und Ordnungssinn

Sicher gibt es heute immer mehr Türsteherinnen und diese Gestalten krakeelen ihre kommerziell verliehene Macht dann auch oft genug sehr deutlich heraus. Aber im Verhältnis bilden Frauen natürlich die Minderheit und so treffen wir regelmäßig vor allem große, starke Männer vor dem Club. Diese treten mit einem gewissen Sinn für Ordnung auf, ähneln also Einrichtungen wie dem Wachschutz oder auch der Polizei. Einziger Unterschied: Türsteher haben kein Gewaltmonopol, glauben aber fest daran es irgendwie doch zu besitzen. Strenggenommen hat niemand das Recht, jemanden vom Betreten einer Lokalität mit Gewalt davon abzuhalten! Hier darf eigentlich nur die Polizei tätig sein und kann ein Platzverbot aussprechen, doch die Türsteher interessiert das nicht. Da wird im Zeichen angeblicher Notwehr geprügelt, gedroht und manchmal sogar zugestochen und in vielen Fällen handelt es sich bei solchen Aktionen gar nicht um Defensive.

Mag sein, dass hier Testosteron im Spiel ist und dass die Herren sich nicht richtig kontrollieren können. Oft genug sind Türsteher auch einfach nur Dummköpfe, die gerade so schreiben und lesen können, doch gibt ihnen das irgendein Recht Gäste brutal anzufahren und zusammenzuschlagen? Und dann das Opfer zu geben? Viele dieser Personen drücken sich einfach Anabolika in die Venen, blasen sich auf und schnaufen dann vor dem Club hin und her, am Ende auf Drogen, und dies soll dir einen sicheren Barbesuch versprechen.

Berliner Originale?

Fraglich ist jedoch, warum es eigentlich so viel Bedrohlichkeit braucht. Wenn irgendwelche Rowdys stören wollen, dann machen die das sowieso und die kratzen sich auch nicht an einer Visage! Die Gäste freilich würde es freuen, auch mal ein (raues) Lächeln zu sehen. Aber wahrscheinlich ist das schlichtweg ein No – Go der Türsteherbranche!

Bleibt abschließend die Frage nach dem Berliner Original.Damit sind nicht die berühmten Figuren wie den Eckensteher Nante gemeint, sondern eben jene Figuren am Einlass. Sind da wirkliche Lebenskünstler und inspirative Leute darunter? Zweifellos, die gibt es und es lohnt sich, gerade den Auftritt, die Kleidung, den Esprit der Türsteher näher zu betrachten. Man tue das bitte etwas unauffälliger, denn wie bereits beschrieben sind die Köpfe zwar meistens haarlos, aber eben auch im Innern leer und das auffällige Beobachten führt bei diesen Menschentypen vielleicht zu Unverständnis, im besten Falle. Wer sich die Zeit nimmt und genau hinschaut, der sieht recht schnell, ob es sich bei den Betroffenen um zugelaufene Hobby – Guards handelt oder ob hier eine Berliner Figur agiert. Letztere wäre trotz allem Gebaren irgendwie sympathisch, schließlich gehört auch einiges dazu, sich über Jahre und Jahrzehnte im Berliner Nachtleben zu bewähren.